Booming Bregenz

Text: Emely Nobis

Moderne Architektur, Kunst im öffentlichen Raum und die weltberühmte Oper auf der Seebühne am Bodensee… Im Sommer ist Bregenz ‘the place to be’.

Die Welle © Frits Roest, FREN Media

In the Sommertime… wird Bregenz erst richtig lebendig, wenn rund 200.000 Menschen die Festspiele besuchen. Der Höhepunkt dieses Musikfestivals ist die jährliche Aufführung einer Oper auf einer riesigen schwimmenden Bühne auf dem Bodensee: die Seebühne. In den letzten Jahren waren u.a. Carmen von Georges Bizet und Turandot von Giacomo Puccini zu sehen. Im Jahr 2020 (wie auch 2019) stand Rigoletto von Giuseppe Verdi auf dem Programm. Puccinis Madame Butterfly ist für 2021 und 2022 geplant. Die Sets sind tatsächlich spektakulär. Beim Spaziergang entlang der Bodenseepromenade wird der Blick auf diese magische Landschaft im Wasser gelenkt. Noch schöner wird es, wenn die Sonne während der Aufführungen langsam untergeht.

Unter den Sternen

Festspiele – tribune© Karl Forster

Die halbovale Tribüne bietet Platz für siebentausend Zuschauer. „Nicht alle sind fanatische Opernfans“, sagt Festspiel-Sprecher Axel Renner, „Gerade nicht. Wir erreichen jeden, auch viele Menschen, die noch nie in einer Oper waren. Die gesamte Anlage mit einer Freilufttribüne und vielen Besuchern in Feiertagskleidung macht sie zugänglich. Es ist keine elitäre Veranstaltung, es ist einfach nur ein lustiger Abend. Wir demokratisieren die Oper.“

Die Festspiele sind gut gefüllt, aber mit siebentausend Plätzen ist immer ein Platz frei. Die mit einer Aufführung unter freiem Himmel verbundenen Risiken werden so weit wie möglich abgedeckt. Das fortschrittliche Soundsystem sorgt dafür, dass die Musik nicht “verweht”: Von jedem Sitzplatz auf der halbovalen Tribüne hat man fast den Eindruck, als stünden die Sängerinnen und Sänger neben einem. Wenn es stark regnet, muss der größte Teil der Aufführung abgesagt werden (“aber es regnet fast nie”) und die Besucher erhalten dann ihr Geld zurück. Renner: „Die Natur ist nicht vorhersehbar, aber das macht sie so besonders. Man kann den Wind hören und fühlen, das Wasser riechen, den Sternenhimmel sehen. Obwohl ich zugeben muss: „Jedes Jahr atmen wir auf, wenn es vorbei ist und alles gut gegangen ist“.

Würfel

Die ersten Bregenzer Festspiele fanden 1946 statt, als private Initiative von Zivilisten, die nach den tristen Kriegsjahren mit Kunst und Kultur wieder etwas Farbe ins Leben bringen wollten. Das Festival finanziert sich nach wie vor weitgehend aus dem Kartenverkauf und Sponsoring. Darüber hinaus stellt die Stadt Subventionen bereit: etwa ein Fünftel des Gesamtbudgets von zwanzig Millionen Euro.

Festspielplatz © anja koehler | andereart.de

Diese Investition zahlt sich aus. Die Touristen, die zu den Festspielen kommen, geben jedes Jahr ein Vielfaches mehr aus. Darüber hinaus hat ihre Anwesenheit der architektonischen Entwicklung von Bregenz einen Schub verliehen, das viel mehr städtisches Flair hat, als man in einer Provinzstadt mit 28.000 Einwohnern erwarten würde. Das Festspielhaus selbst (auch ein Konferenzzentrum) ist ein spielerischer Bau aus Stahl, Glas und Beton, der in mehreren Phasen errichtet wurde. In den 1990er Jahren wurden zum Beispiel zwei große Foyers über dem Haupteingang errichtet. Einer dieser Kuben steht in Richtung Seebühne: Hinter der Glasfassade können Sponsoren und ihre Gäste die Aufführung auf dem Wasser verfolgen. Der zweite Kubus überblickt die Promenade, die 2011 komplett renoviert wurde. Auf halber Strecke wurde ein neues Hafenterminal gebaut, ein modernes wellenförmiges Gebäude aus Glas und Holz, mit einem Kassenraum und einem Café in Form eines Schiffsrumpfes im Inneren.

Die Bregenzer Festspiele finden im Juli und August statt. Neben der Oper auf der Seebühne gibt es während der Festspiele zahlreiche weitere Konzerte und Tanzaufführungen, meist im Festspielhaus an Land. Täglich finden auch Führungen hinter die Kulissen von Festspielhaus und Seebühne statt, bei denen die Technik erklärt wird, die notwendig ist, um eine Bühne mit schweren Bühnenbildern, Orchestergraben, Licht- und Tontechnik auf dem Wasser schwimmen zu lassen.  Programm und Eintrittskarten: bregenzerfestspiele.com

Sonnenuntergangstreppe

Sunsetstufen © Vorarlberg Lines

Natürlich hat Bregenz mehr zu bieten als nur die Festspiele und das Festspielhaus. Hervorzuheben sind beispielsweise die modernen Leuchttürme im Hafen, die beide aus vier langgestreckten Stahlsäulen bestehen, die an der Spitze durch ein Leuchtfeuer verbunden sind. Etwas weiter sind auf einer Länge von 160 Metern Treppen gebaut worden, die ins Wasser führen. Diese Sunset-Sitzstufen sind heute ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt und für die vielen Schwäne auf dem Wasser. Von hier aus können Sie den Sonnenuntergang über dem Bodensee genießen, laut Bregenzer der schönste in ganz Österreich.

Übrigens wurde das Hafengebiet bereits vor fast eineinhalb Jahrhunderten grundlegend saniert. Als 1872 die Eisenbahnlinie zum Hafen gebaut wurde, wollte man wertvolles Bauland in der Stadt nicht für diesen Zweck nutzen. Deshalb wurden die Schienen direkt entlang der Küste, parallel zum Wasser, verlegt. Zu spät erkannten die Menschen, dass die Innenstadt und ihre Bewohner dadurch vom See abgeschnitten waren. Um diesen Fehler zu korrigieren, wurde bereits 1880 ein Teil des Sees auf der Wasserseite der Strecke mit Sand aufgeschüttet, um eine neue Promenade zu schaffen. Bei Ihrem Spaziergang entlang der Promenade können Sie auf einer der vielen Terrassen Platz nehmen, wie z.B. auf der von Buehnedrei (zum Festspielhaus gehörend), Die Welle (im Hafengebäude) und dem Wirtshaus am See.

Kunsthaus Bregenz

Kunsthaus © Friedrich Böhringer

Wenn Sie die Bahn in Hafennähe überqueren und in Richtung Stadtzentrum laufen, erreichen Sie bald den autofreien Kornmarktplatz. Terrassen und Bäume bieten Geselligkeit und Schatten. Auf einer schwarzen Granitskulptur in Form einer liegenden Sanduhr wird geplaudert und gegessen. Genau das war die Absicht des Künstlers Michelangelo Pistoletto. Auf diese Weise will er dazu beitragen, dass der Platz ein Ort der Begegnung wird, ein Ort, an dem man sich für längere Zeit aufhalten möchte. Daher die Sanduhr.

Auf dem Platz befindet sich das Kunsthaus Bregenz (Museum für moderne Kunst) in einem strahlend mattierten Glaskubus. Es wurde 1997 von dem Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfen. Der Betonkern ist in eine Stahlkonstruktion ‘eingehüllt’, der mit Milchglasplatten verkleidet ist. Tagsüber reflektiert das Gebäude Licht und Sonnenstrahlen, nachts kann die Fassade von innen in allen möglichen Farben beleuchtet werden: von warmem Rot und Violett bis hin zu Grün, Gelb oder Blau. Die drei Ausstellungsräume im Inneren haben keine Fenster oder Bänke. Die einzige “Verkleidung” sind die glatten Terrazzoböden und die hellgrauen Betonwände, die je nach Lichteinfall durch die Decke heller oder dunkler erscheinen. Eine Nüchternheit, die sicherstellen muss, dass nichts von der ausgestellten Kunst ablenkt.

Vorarlbergmuseum

Vorarlberg Museum © Hanspeter Schiess

Etwas weiter auf dem Kornmarktplatz befindet sich das Vorarlberg Museum, das die Geschichte der Region von den Kelten bis in die Gegenwart zeigt. Die weiße Fassade des Tiroler Künstlers Manfred Alois Meyr gleicht einer Kletterwand. In Wirklichkeit stellen die “Henkel” (insgesamt 16.565) Blumen dar. Überraschenderweise scheinen sie Abgüsse der Unterseite von PET-Flaschen zu sein. Das Ganze bildet ein harmonisches Muster. Die Fassade sollte etwas mit dem kulturhistorischen Thema zu tun haben, das im Museum behandelt wird. Mit seinem floralen Muster verweist der Künstler auf die blühende Textilindustrie in dieser Region nach dem Zweiten Weltkrieg. Denken Sie zum Beispiel an die Blumendrucke auf Trachten.

Wenn Sie an der Fassade entlanggehen und gleichzeitig versuchen, die Inschrift Vorarlbergmuseum zu lesen, gelingt Ihnen das nur, wenn Sie sie in einem Winkel von genau 45 Grad betrachten. Ein optischer Witz, den der New Yorker Grafikdesigner Stefan Sagmeister seiner Heimatstadt geschenkt hat. Wenn wir das Museum betreten, fallen uns die eleganten Messinggriffe der Eingangstüren in Form von Achsstielen auf. Die Idee dahinter: Ein Griff, der gut in die Hand des Landwirts passt, passt auch gut in die eines Museumsbesuchers.

Das Foyer (mit Café) hat ein 24 Meter hohes Atrium, das durch eine Glaskuppel in der Decke mit Tageslicht beleuchtet wird. Die hohe Rückwand grenzt an die Rückwand eines Gebäudes aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts – in dem sich die Büros des Museums befinden. Dieses Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es durfte nicht abgerissen werden und wurde deshalb in das neue Gebäude integriert. Indem Alt- und Neubau sozusagen zusammengeklebt werden, hat das Museum zwei Gesichter: auf dem Platz die hochmoderne Fassade und auf der Seite des Bodensees die alte Fassade vom Anfang des Jahrhunderts.

Um es zu einem Ganzen zu machen, wurde ein zusätzliches Stockwerk auf das alte Gebäude gesetzt. Von diesem abgedunkelten Raum aus blickt man durch ein großes Panoramafenster auf den See. Das neue Gebäude hat Panoramafenster zur Stadt hin. Auf diese Weise verbindet das Vorarlbergmuseum alles, was Bregenz zu bieten hat: Wasser, Berge, historischen Stadtkern und moderne Architektur.

Tipps & Adressen

Allgemein

Mit dem Auto erreichen Sie Bregenz über die A7 und die A96. Sie können den Zug (über Deutschland) oder das Flugzeug nehmen: Fliegen Sie zum Flughafen Zürich oder München und von dort weiter mit dem Zug, Taxi oder Mietwagen.

Nächtigen

Vom Privatzimmer bis zum Campingplatz, vom einfachen Gasthof bis zum Luxushotel: Bregenz hat alles, sowohl im Zentrum als auch in der Nähe. Die Preise sind zur Zeit der Festspiele (teilweise erheblich) höher als üblich. Die Seite des Tourismusverbandes gibt einen Überblick über alle Unterkünfte und Links zu den Seiten der jeweiligen Anbieter:  bregenz.travel

Fritsch am Berg

Vor den Toren von Bregenz ist das 2013 erbaute Hotel-Restaurant und Spa der Familie Fritsch ein modernes architektonisches Kleinod. Von der Terrasse auf 750 m ü.d.M. blicken Sie auf Bregenz und den Bodensee, mit fantastischen Sonnenuntergängen bei entsprechendem Wetter. Das Restaurant bietet eine moderne Interpretation der klassischen österreichischen Küche (auch vegetarisch). PfänderBuchenberg in Lochau (voorstad Bregenz), fritschamberg.at

Essen und Trinken

Kornmesser

Restaurant im Herzen von Bregenz, in einem Barockbau aus dem Jahr 1720. Leichte Holzverkleidung. Eigentum der Privatbrauerei Augustiner Braü aus München, aber mit weißen Tischdecken eleganter eingerichtet als das durchschnittliche Brauereirestaurant. Österreichische Küche und leichte Gerichte. Reservierung notwendig, vor allem, wenn Sie unten im schönsten Zimmer sitzen möchten. Kornmarktstraße 5, kornmesser.at

Goldener Hirschen

Historisches Fachwerkhaus mit authentischer Innenausstattung. Zwei Stockwerke und Terrasse im Innenhof. Klassische österreichische Gerichte für jeden Geldbeutel. Spezialität ist das Rindfleischtöpfle: eine Brühe mit Rindfleischstücken, Bratkartoffeln und einigen Beilagen. Die Brühe selbst ist die Vorspeise, die Frittaten (nudelig geschnittenes Omelette) enthält. Reservierung erforderlich. Kirchstraße 8, goldenerhirschen.at

Café Cuenstler

Für diejenigen, die genug von der Tradition haben. Moderne Café-Bar im Zentrum von Bregenz gegenüber dem Theater. Kleine Snacks, Ausstellungen regionaler Künstler, viele Zeitungen und Zeitschriften. Kornmarktstraße 6, cuenstler.at

Greber

Restaurant in der mittelalterlichen Burgruine auf dem Gebhardtsberg, 200 Meter oberhalb der Stadt. Vom Zentrum von Bregenz aus kann man in einer Stunde zu Fuß dorthin gelangen. Mit dem Auto dauert es 10 Minuten. Reservierungen sind erforderlich, wenn Sie einen Platz auf der Terrasse wünschen. Gebhardsberg 1, greber.cc

Mangold

Michael Schwarzenbacher © Joerg Lehmann

Eines der besten Restaurants in Vorarlberg. Spitzenkoch Michael Schwarzenbacher garantiert eine moderne, leichte österreichische Küche mit mediterranem Touch. Pfänderstraße 3 in Lochaurestaurant-mangold.at

Einkaufen

4D-Outfitters

Ein großer Teil der Bregenzer Innenstadt ist Fußgängerzone. Rund um die Kaiserstraße sind viele Geschäfte zu finden. Zum Beispiel der Concept Store 4D Outfitters, mit trendiger und oft innovativer Kleidung, Accessoires, Möbeln und Geschenken. Kornmarktstrasse 7, 4dbregenz.at

Sutterlüty

Auf Vorarlberger Produkte spezialisierter Supermarkt. Gute Adresse für essbare “Souvenirs” wie Marmeladen, Essige, Trockenfrüchte oder Fruchtsäfte von lokalen Herstellern. Reichsstrasse 1 (in der Nähe des Bahnhofs), sutterluety.at

Wolford Fabrikverkauf

In Bregenz ist das österreichische Wäsche-Unternehmen Wolford beheimatet. Im Outlet-Center finden Sie Strumpfhosen, Bodys, Badeanzüge, Leggings und Socken dieser Luxusmarke zu oft stark reduzierten Preisen. Wolfordstraße 2, wolford.com

Sehen & Erleben

Rundfahrt Bodensee

Bei einem Besuch an Bregenz ist eine Schifffahrt auf dem Bodensee Pflicht: von drei Ländern-Panoramafahrt bis zur abendlichen Rundfahrt oder Festspiel-Rundfahrt: vorarlberg-lines.at

Pfänderbahn

Vom Pfänder, dem Hausberg von Bregenz, hat man einen herrlichen Blick auf den Bodensee und ein 360-Grad-Panorama auf die österreichischen, deutschen und schweizerischen Alpen. Die Seilbahn bringt Sie in 6 Minuten auf eine Höhe von 1064 Metern. Beachten Sie unterwegs die vielen eleganten, modernen Villen, die an die Hänge gebaut wurden. Oben finden Sie ein Café-Restaurant und beginnen zahlreiche Wanderwege. Ein netter Rundweg (ca. 30 Min.) mit Kindern führt Sie durch den alpinen Wildpark mit Hängebauchschweinen, Mufflons, Murmeltieren und Steinböcken. Die Talstation der Pfänderbahn befindet sich in der Schillerstraße, am Rande des Stadtzentrums. Am Eingang gibt es auch ein schönes kostenloses Museum über die Geschichte dieser Seilbahn: pfaenderbahn.at

Außerhalb der Stadt

Von Bregenz aus können Sie viele Tagesausflüge machen. Zum Beispiel nach Dornbirn, etwa 25 Autominuten von Bregenz entfernt. Die größte Stadt Vorarlbergs (43.000 Einwohner) verfügt über einen schönen historischen Marktplatz, eine gemütliche Fußgängerzone und viele Geschäfte. Etwas weiter finden Sie Feldkirch, mit einem schönen mittelalterlichen Kern und interessanten Märkten an Dienstagen und Samstagen. Auch die verschiedenen Täler, z.B. das Bregenzerwald, mit seiner innovative Holzarchitektur, oder das Große Walsertal, sind von Bregenz aus leicht zu erreichen.

Hauptplatz Villach
©anja koehler | andereart.de
© FREN Media, Frits Roest