Gallzeiner Rodel

Aus dem richtigen Holz geschnitten

Text: Emely Nobis, Bild: Frits Roest

Bernard Lederwaschs Gallzeiner Rodel gelten weithin als die besten Schlitten überhaupt. Sie werden mit viel Fingerspitzengefühl gemacht.

Überall in der Werkstatt des Zimmermanns Bernard Lederwasch im Tiroler Buch gibt es Hammer, Schraubzwingen, Holzhobel, Fräser und Kreissägen: Werkzeuge, mit denen er pro Jahr rund neunhundert Holzschlitten herstellt. Bis ein Gallzeiner Rodel fertig ist, sind etwa dreißig Schritte erforderlich. Ein traditioneller Prozess, der dennoch in einem modernen, energieneutralen Gebäude in einem Gewerbegebiet stattfindet. Im Empfangsbereich neben der Werkstatt befindet sich eine Sammlung farbenfroher Demonstrationsmodelle: Sport- und Freizeitmodelle, Ein- und Zweisitzer, Kinderschlitten und Seniorenmodelle mit extra hohen Sitzen. Das ist die Domäne der Ehefrau Helga. Sie führt Beratungsgespräche mit Kunden und lässt sie ‚Probe sitzen‘. Wenn jemand einen Schlitten bestellen möchte, geht Bernard an die Arbeit, um das gewählte Modell anzupassen. „Eine Rodel wird im Idealfall an die Größe, das Gewicht und die Wünsche des Benutzers angepasst. Wo belastet ihn jemand am meisten und braucht er zusätzliche Unterstützung? Möchte jemand damit an Wettbewerben teilnehmen oder einen Rodelurlaub machen? Das macht den Unterschied”.

Kauf auf Lebenszeit

Gallzeiner Rodels sind für ihre Stabilität und Flexibilität bekannt. Die Grundlage dafür ist die Wahl des Holzes. Lederwasch: „Ich kombiniere immer mehrere Holzarten, denn jedes Teil einer Rodel benötigt eine andere Holzart. Das kann Ahorn, Buche oder Nussbaum sein: solange es sich um Hartholz handelt, das Kälte und Feuchtigkeit verträgt. Man kauft eine Gallzeiner Rodel auf Lebenszeit, also darf sie nach zehn Jahren nicht verrottet sein.

Vor allem zwischen November und März kommen die Aufträge herein. Ohne Vorarbeiten wäre Lederwasch nicht in der Lage, die Arbeit zu bewältigen. Außerhalb der Wintermonate produziert er daher bereits einen Vorrat an Stützen, Sitzen und Lamellen für Läufer. Gerade letzteres ist Präzisionsarbeit. Zuerst werden von einer dicken Holzbohle die unregelmäßigen Kanten weggesägt. Dann schneidet Lederwasch mit der Kreissäge sehr feine, jeweils vier Millimeter dicke Scheiben ab. Zwölf bis vierzehn solcher Scheiben werden für einen Läufer benötigt. Nach der Kontrolle („nur die mit der schönsten Holzmaserung sind außen erlaubt“) werden sie Schicht für Schicht miteinander verleimt und dann etwa vierundzwanzig Stunden lang in die richtige gebogene Form geklemmt.

Um aus Einzelteilen eine maßgeschneiderte Rodel zu fertigen, müssen noch die nötigen Schritte unternommen werden: Lamellen ablängen und polieren, Ecken abrunden, Kufen im richtigen Abstand zueinander platzieren, Stützen mit Holzschrauben an Kufen befestigen, Metallgleiteisen in Form klopfen und auf Kufen schrauben… Die zusammengebaute Rodel muss dann justiert werden. Lederwasch stellt einen Schlitten aufrecht und biegt ihn in alle Richtungen, klopft, hört zu, misst und murmelt, schraubt fester oder lockerer. Das ist Fingerspitzengefühl. Der perfekte Schlitten biegt sich sanft in alle Richtungen, ohne das sich irgendwo was löst. Wenn etwas feststeckt und ich es nicht lösen kann, nehme ich sie notfalls wieder auseinander”.

Wenn er ganz zufrieden ist, wird der Schlitten lackiert und Helga komplettiert ihn mit Ledergurt und einem bequemen Schaumstoffkissen, das mit robuster, wetterfester Plane in fröhlichen Farben übezogen ist. Auf Wunsch kann der Kunde einen persönlichen Text darauf sticken lassen.

Vom Hobby zum Unternehmen

Der Name der Schlittenfabrik bezieht sich auf das Dorf Gallzein. Dort baute Helgas Vater – Bauernsohn Josef Brunner – Schlitten für seine vielen Brüder und Schwestern. Sie waren schnell und wendig und gewannen oft bei Wettbewerben. So wuchs das Hobby vor etwa fünfzig Jahren zu einem Geschäft heran. Bernard Lederwasch ist seit dreißig Jahren dort tätig. „Nachdem ich meine Frau kennen gelernt hatte, half ich meinem Schwiegervater ab und zu gerne. Eigentlich bin ich Koch, aber als die Nachfolgefrage aufkam, bot ich an, den Beruf zu wechseln und einen Tischlerlehre zu machen. Wir haben das Unternehmen dann im Jahr 2004 übernommen.“

Es stellte sich heraus, dass er ein Gefühl für Schnee und Rodeln hat. Kunden aus dem In- und Ausland stehen Schlange für eine Gallzeiner Rodel, aber er will nicht weiter wachsen. „Wir sind ein Familienunternehmen: ich, meine Frau und unser Sohn Philip – der jetzt ebenfalls bei uns arbeitet. Ich will kein Manager sein und ich will mir keinen Produktionsstandard aufzwingen, um ein paar Tausend Euro zusätzlich zu verdienen. Wir müssen in der Lage sein, gut zu leben, die Arbeit zu genießen und Qualität zu liefern.“

Die Familie wohnt über dem Geschäft auf dem Gewerbegebiet. Ungemütlich? „Es geht nicht anders. Angenommen, ein Kunde möchte seinen Schlitten im Winter geschliffen oder gewachst haben. Dann möchte ich da sein, um zu helfen, auch nachts oder an Wochenenden. Ich nehme Dienstleistung sehr persönlich.“

St. Margarethen 152f, 6200 Buch, galzeiner-rodel.at

Sicher den Berg hinunter! 5 Tipps vom Rodelmacher

– Tragen Sie immer einen Helm und bleiben Sie auf markierten Fahrspuren

– Stimmen Sie die Geschwindigkeit auf Ihr Schlittenerlebnis ab. Je flacher Sie liegen, desto schneller.

– Reduzieren Sie die Geschwindigkeit bereits vor einer Kurve, drücken Sie Ihr äußeres Bein auf den äußeren Läufer und verlagern Sie Ihr Gewicht in die Innenkurve.

– Bremsen Sie mit den Füßen und drücken Sie die gesamte Sohle auf den Schnee. Nur im Falle von (unerwarteten) Hindernissen ziehen Sie auch die Hörner des Schlittens hoch.

– Tragen Sie Schuhe mit einem robusten Profil oder drehen Sie als ‚Bremshilfe‘ Schrauben in einem Paar ausrangierter Sportschuhe.

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