Konstantin Filippou

Griechischer Gott der Küche

Text: Frits Roest, Bild: Filippou, Per-Anders Jörgensen

Griechischer Vater; österreichische Mutter… Sternekoch Konstantin Filippou ist mit dem Geschmack zweier Kulturen aufgewachsen. Beide Einflüsse spiegeln sich in seiner Küche wider.

Konstantin Filippou ist eine imposante Erscheinung: eindringlicher Blick, wildes Haar, leidenschaftliche Gesten. Die subtile Eleganz seines Restaurants Konstantin Filippou ist fast schon ein Kontrapunkt. Holztische, schwarze Stühle, graue Wände – alles auf das Wesentliche reduziert. Nichts lenkt von dem ab, worum es geht: seiner “multikulturellen” Küche.

Filippou wuchs in Graz (Steiermark) als Sohn eines griechischen Vaters und einer österreichischen Mutter auf: „Mein Vater kochte griechisch, meine Mutter österreichisch. Obwohl mein Vater starb, als ich dreizehn war, verbrachte ich danach fast meinen gesamten Urlaub in Griechenland. Als Koch kann und will ich nicht zwischen den Welten meiner Jugend wählen. Sie sind in meiner Persönlichkeit verankert. Wenn ich zu viel vom griechisch-mediterranen Raum auf meinem Teller habe, vermisse ich den österreichischen und umgekehrt.“

Und so denkt er sich Kombinationen wie “Bio-Ei mit Tintenfisch und Bauchspeck” oder “Langusten mit Weißweinsauce, Schnittlauch und österreichischer Kalbszunge” aus. Sein Markenzeichen seit der Eröffnung des Restaurants im Jahr 2013: Brandade (gesalzener Stockfischpüree) mit Seelachs und Kaviar, einem Mittelmeerfisch und Kaviar vom österreichischen Fischzüchter Walter Grüll. „Es ist fantastisch, jedes Mal beide Welten auf die Teller zu malen“, sagt er. Wobei ‘Malerei’ seine puristische Darstellung gut beschreibt. Alles auf dem Teller ist auf das Wesentliche reduziert und sieht aus wie ein modernes Stillleben. Gleichzeitig schmeckt man Österreich und riecht das Meer – oder andersherum.

Topf auf den Tisch

Filippou möchte die traditionelle Wiener Gourmetszene ein wenig aufrütteln. „Ich selbst habe Probleme mit Restaurants, die so extrem steif sind, dass man sich als Gast älter fühlt, als man eigentlich ist, und erschreckt ist, wenn man krümmelt. Ich hoffe, die Leute kommen zum Vergnügen hierher“.

Dazu passt eine informelle Atmosphäre, die durch eine halboffene Küche und den “Küchentisch” geschaffen wird – eine “Bar” im hinteren Teil des Restaurants, an der die Vorspeisen von Köchen mit trendigen schwarzen Schürzen und Kochmützen zubereitet werden. Teil des niederschwelligen Konzepts ist auch das Bistro O Boufés neben dem Restaurant. Die beiden Konzepte ergänzen sich gut. „Während wir im Restaurant die Olympischen Spiele der guten Küche feiern, koche ich im Bistro eher wie für Familie und Freunde, obwohl ich es dort natürlich auch schön serviere. Das mache ich zuhause nicht: Dann heißt es einfach Topf auf den Tisch und sich selbst bedienen.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Spitzenköchen steht Filipou nicht “Tag und Nacht” in der Küche: „Das passt nicht zu dem Leben, das ich führen möchte. An den Wochenenden haben wir sowieso geschlossen, sonst fürchte ich, dass ich auf Dauer die Freude an meiner eigenen Arbeit verliere. Und obwohl das Restaurant an fünf Tagen der Woche geöffnet ist, arbeiten meine Mitarbeiter vier Tage in der Woche. Die neue Generation will überhaupt keine Fünf-Tage-Woche. Sie wollen auch nicht alle Meisterköche werden, sondern nur ihre Arbeit gut machen und dabei Spaß haben. Um junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern und zu halten, müssen wir ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben in der Gastronomie schaffen“.

Messerkoffer

Filippou entdeckte seinen Ehrgeiz für die feine Küche erst während seiner Ausbildung zum Koch. Ich schnüffelte viel in Kochbüchern herum und war völlig fasziniert von den Bildern, wie man Gerichte serviert. Von da an wollte ich nur noch in den besten Restaurants arbeiten”.

So klopfte er an die Tür des Wiener Spitzenrestaurants Steirereck. Damals wurde er von Chefkoch Helmut Österreicher abgewimmelt, Filippou aber blieb hartnäckig und ging schließlich mit dem Versprechen, dass er kommen könne, wenn jemand ausfiele. „Ich wusste, dass es Monate dauern konnte, bis ich etwas hörte, aber ich hielt mich zur Verfügung, um zu beweisen, dass ich dafür übrig hatte. Glücklicherweise rief er nach zwei Wochen an. Danach habe ich es immer so gemacht. Ich ging in meine Lieblingsrestaurants, zum Beispiel in London und Spanien, ging dann mit meinem Messerkoffer in die Küche und fragte, ob es dort Arbeit gäbe. Ich bin nicht der Typ, der abwartet.“

Mittlerweile ist er selbst eine Art Superstar. „Wenn ich mit ihm die Straße entlang gehe, bitten ihm Leute um seine Unterschrift“, sagt Frau Manuela, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. All diese Aufmerksamkeit ist manchmal zu viel für Filippou selbst. „Dann muss ich mich fast durch die Hintertür hinausschleichen, weil jeder potenziell beleidigt ist, wenn ich durch das Restaurant gehe und nicht überall stehen bleibe, um mich zu unterhalten. Ich möchte keineswegs unfreundlich sein, aber manchmal brauche ich Raum, um meinen Kopf frei zu bekommen. Wenn meine Kreativität beeinträchtigt ist, werde ich unruhig und unerträglich“.

Er fährt regelmäßig zum Stressabbau nach Griechenland. Wasser ist für mich sehr wichtig. „Der weite Blick auf das Meer ist völlig befreiend. Mit Freunden am Strand zu kochen oder einfach einen guten Tomatensalat mit fantastischen Oliven zu essen… das ist für mich ein Lebenselixier. Je älter ich werde, desto stärker spüre ich es.“

Dominikanerbastei 17, 1010 Wien, konstantinfilippou.com

Konstantin Filippou (1980)

  • Verheiratet mit Manuela.
  • Kreativster Koch Österreichs 2011 (Gourmet Trophée À la Carte), Newcomer des Jahres 2014 (Falstaff); Koch des Jahres 2016 (Gault Millau).
  • Bistro O Boufés: Bib Gourmand Michelin 2015
  • Michelin 2 Sterne, Falstaff: 4 Gabel, À la Carte: 5 Sterne, Gault Millau: 5 Hauben, Schlemmer Atlas: 4 Kochlöffel
  • Wissenswert: 2016 veröffentlichte Konstantin Filippou sein erstes Kochbuch, das auch seine Lebensgeschichte erzählt. Mit 80 Rezepten und schöne Bilder des Spitzenfotografen Per-Anders Jörgensen. Das Buch kostet € 79,- und ist im Buchhandel oder über die Website des Restaurants erhältlich.
© Juergen Skarwan
© Luzia Ellert