Lederhosenmacher

Lederhosen machen den Mann

Text: Emely Nobis, Bild: Frits Roest

Sie werden im Volksmund Lederhosenmacher genannt, aber die offizielle Bezeichnung für Schneider, die sich auf die Herstellung von Lederhosen spezialisiert haben, lautet Säckler. Christian Raich aus Bad Aussee (Salzkammergut) beherrscht dieses alte Handwerk meisterhaft.

Scheren und Rundmesser, um Leder in Form zu schneiden, ein Knopflocheisen, eine mit Blei gefüllte Holzspindel zum Abflachen der Nähte, Kreide, Federn und lösliches Gummiarabikum, um das Muster der Ziernähte zu markieren, Nadel und Faden, um diese Nähte auf die Hose zu ‘sticken’, eine Singer-Pedalnähmaschine, um Lederstücke zusammenzunähen… Säcklermeister Christian Raich braucht nicht viel mehr Werkzeug, um seine traditionellen Lederhosen herzustellen. Abgesehen vielleicht von den Tageslichtlampen in seiner kleinen Werkstatt, was wahrscheinlich dafür gesorgt hat, dass er nach fast 35 Jahren Präzisionsarbeit noch keine Brille braucht.

Wenn Sie eine Lederhose bei Raich bestellen, haben Sie die Wahl. Das Leder wird gemeinsam ausgewählt, die gewünschte Verzierung wird aus einem Musterbuch ausgewählt und die Länge und das Modell der Hose besprochen. Was Letzteres betrifft, so haben sich die Dinge in den letzten Jahrzehnten geändert. „Früher wurden die Menschen dick, wenn sie älter wurden. Deshalb war es üblich, Lederhosen relativ groß zu machen, und es gab immer einen Zwickel auf der Rückseite der Hose: ein zusätzliches Stück Leder, mit dem man den Gürtel je nach Bauchumfang enger oder lockerer schnallen konnte. So wächst die Hose mit. Heutzutage essen die Menschen bewusster, bewegen sich mehr und werden nicht mehr so füllig. Vor allem junge Leute bevorzugen heute eine Lederhose, die eng um das Gesäß sitzt. Leder hat den Vorteil, dass es ein lebendiges Material ist und sich immer leicht ausdehnt und sich dem Körper anpasst. Und wenn sie zu dick werden, kann ich danach immer noch einen Zwickel einnähen“.

Ob ein Kunde tatsächlich ein schlankes Modell wünscht oder sich für einen lässigeren Look entscheidet: Raich ist das egal. „Ein Mann soll sich in seiner Lederhose zu Hause fühlen: Das ist meine oberste Priorität.“

Eilauftrag

Bad Aussee im Salzkammergut ist die “Trachtenhauptstadt” Österreichs. Das Tragen von Dirndl und Lederhose ist für viele Menschen hier auch im Alltag noch sehr verbreitet. Deshalb braucht Raich sich nie langweilen, wenn es um die Arbeit geht: Fast jeder männliche Bewohner lässt sich mindestens einmal im Leben eine Lederhose nach Maß anfertigen oder erhält einen als Geschenk. Raich fertigt jährlich etwa vierzig Stück, ausschließlich auf Bestellung. Der Preis (ab ca. 1500 Euro) hängt hauptsächlich von der gewünschten Menge an Muster ab. „Mehr Verzierung machen eine Hose teurer, aber nicht besser“, relativiert Raich, „Es ist reine Dekoration“.

Obwohl er 50 bis 90 Stunden an einer Hose arbeitet (je mehr Stiche, desto länger), müssen Kunden durchschnittlich ein Jahr auf ihre Bestellung warten. „Ich arbeite immer an mehreren Hosen gleichzeitig: als Abwechslung und weil es praktisch ist. Wenn z.B. jemand wegen Krankheit nicht zur Anprobe kommen kann, kann ich trotzdem weiterarbeiten. Ich möchte auch in der Lage sein, dringende Bestellungen vorrangig zu erledigen. Wenn sich jemand plötzlich entscheidet, zu heiraten, oder wenn eine Familie dem Sohn des Hauses zum Schulabschluss eine Lederhose schenken will. Manchmal bekomme ich auch einfach nicht direkt die gewünschte Farbe des Leders. Das alles spielt eine Rolle“.

Grüner Schein

Er verwendet fast immer Leder von Rotwild und gelegentlich Gemsen. Die Tierhäute werden an anderer Stelle gegerbt und gefärbt und als Ganzes angeliefert. Die offiziellen Trachtenlederhosen in Bad Aussee sind schwarz mit grünem Schimmer, aber wer will, kann auch einen Braunton wählen. Man kann die Farbe sowieso nie im Voraus genau bestimmen. Jede Tierhaut ist anders, jede Färbung ist anders. Das Tragen verleiht dem Leder auch eine eigene Patina. Selbst die Wahl der Nähte – in unserem Fall hauptsächlich gelb oder grün – lässt die Farbe anders hervortreten”.

Für eine Hose werden zwei Hirschfelle oder vier Gamshäute benötigt. Von den Resten fertigt Raich unter anderem Hosenhalter und die Riemen, die unten an den Hosenbeinen als Dekoration hängen. Jedes Bein ist außerdem mit vier handgenähten Knopflöchern versehen: auch dies ist nur zur Dekoration.

Obwohl Raich das Säckler-Handwerk schon in jungen Jahren von seinem Grossvater erlernte, wollte er es nicht wirklich zu seinem Beruf machen. „Aber dann konnte ich sein Geschäft übernehmen, und ich habe es trotzdem gemacht, so wie es im Leben ist“.

Was ihm bei seiner Arbeit besonders gefällt, ist, dass er so viele verschiedene Kunden kennen lernt. „Ganz gleich, welche Funktion oder welchen Beruf eine Person im täglichen Leben ausübt, der Kontakt hier drinnen ist immer sehr informell und angenehm“. Um lachend hinzuzufügen: „Natürlich ist das vorbei, sobald jemand wieder draußen ist. Dann merken Sie es wieder, wenn er in seiner Arbeit ganz wichtig ist“.

Säckler und Säcklernaht

Säckler waren zunächst Lederarbeiter, die Tierhäute zu Säcken für den Transport von Eisenerz und Mehl verarbeiteten. Ab dem 12. Jahrhundert wurde es zum offiziellen Namen für das Handwerk der Lederhosenmacher. Um sich von anderen Lederarbeitern und gewöhnlichen Schneidern, die manchmal auch Lederhosen herstellten, zu unterscheiden, setzte der Berufsstand das ausschließliche Recht durch, die Nähte ihrer Lederhosen ‘nach Säcklerart’ herzustellen. Während die Schneider ihre Nähte nach innen nähen, wird die Säcklernaht nach außen (d.h. sichtbar) gefaltet und genäht, und in den Nähten werden hellere Lederstreifen eingefügt. Diese Säcklernaht ist heute ein Qualitätsmerkmal handgefertigter Lederhosen.

Christian Raich, Altausseer Strasse 59, Bad Aussee, +43 3622 52260

Arie van Hoorne© FREN Media
Blaudruckerei Koó, Joseph & Miriam© FREN Media
© Steiermark Tourismus, Hartmann
© Stekovics