Linzer Torte

Text: Emely Nobis

Die berühmte Linzer Torte, benannt nach der Hauptstadt Oberösterreichs, ist ein echter Ferienklassiker. Wer hat sie überhaupt erfunden?

Machen Sie einen Mürbteig mit vielen gemahlenen Mandeln, bedecken Sie ihn mit einer Marmeladenfüllung und decken Sie alles mit einem Gitter aus Teigstreifen ab… die Linzer Torte klingt nicht nach einem kulinarischen Klassiker, ist es aber. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurde sie häufig in Reisetagebüchern erwähnt. So besuchte beispielsweise der Weltreisende Fürst Hermann von Pückler-Muskau im Jahr 1809 Linz, weil die Stadt für ihre Torten und schönen Mädchen berühmt war. In seinem Tagebuch schreibt er: „Die Pasteten werden zumindest ihrem Ruf gerecht.“

Johann Konrad Vogel (1796-1883) galt lange Zeit als der Erfinder der Linzertorte. Dieser bayerische Konditor heiratete eine Witwe mit Konditorei in Linz, setzte die Linzer Torte auf die Landkarte und schaffte es, sie als ‚Souvenir aus Linz‘ populär zu machen. Er hat also sicherlich zu ihrem Ruhm beigetragen, aber sie wurde eigentlich schon viel früher erfunden. Das wissen wir seit 2005. Dann wurde in der Bibliothek des berühmten Stiftes Admont (Steiermark) ein Rezept für Linzer Torte aus dem Jahr 1653 entdeckt. Es befindet sich im Kochbuch einer Gräfin Sagramosa, mit dem schönen Titel ‚Buech von allerley Eingemachten Sachen, also Zuggerwerckh, Gewürtz, Khütten und sonsten allerhandt Obst wie auch andere guett und nützlich Ding etc‘ . Das Kochbuch gibt sogar vier Rezepte für Linzer Torte, bzw. Linzer Teig an, ein Hinweis auf die Bekanntheit, die das Gebäck zu dieser Zeit schon gehabt haben muss. Wer auch immer die Linzer Torte erfunden oder benannt hat, wird immer ein Rätsel bleiben. Auf jeden Fall ist er heute als der älteste nach einer Stadt benannte Kuchen und als das älteste erhaltene Kuchenrezept der Welt bekannt.

Möchten Sie Ihre eigene Linzer Torte machen? Hier finden Sie das klassische Rezept und eine moderne Version.

Das klassische Rezept aus dem Jahr 1653

Zutaten

420 gram Butter | 9 Eidotter | 280 gram gemahlene Mandeln | 280 gram Zucker | 35 gram Zimt | 400 gram Mehl |

Für die Glasur: 4 Eiweiß | 200 gram Zucker

Zubereitung

Die Butter in einer tiefen Rührschüssel bei Raumtemperatur schaumig rühren und das Eigelb nach und nach unterrühren. Die gemahlenen Mandeln, Zucker und Zimt hinzufügen und den Teig ruhen lassen. Zum Schluss das Mehl einrühren. Teilen Sie zwei Drittel der Masse in zwei kleine Springformen (der Boden sollte so dick wie die Klinge eines Messers sein) und bedecken Sie auch den Rand mit einer Schicht Teig. Bestreichen Sie jeden Kuchenboden mit Johannisbeermarmelade (mit Kernen). Den restlichen Teig ausrollen, mit einem Rad Streifen ausstechen und wie ein Gitter über den Kuchen legen. Backen Sie den Kuchen bei 180 Grad im Ofen.

Kurz vor Ende der Backzeit vier Eiweiß schaumig schlagen, langsam den Zucker einrühren, den Schaum über den Kuchen verteilen und mit etwas Puderzucker bestreuen. Sofort den Kuchen wieder in den Ofen schieben und weitere 15 Minuten bei abnehmender Temperatur backen.

Modernes Rezept

Zutaten für 8-10 Personen

200 gram Mehl | 200 gram eiskalter geriebene Butter | 200 gram gemahlene Mandeln | 150 gram Rohrzucker | 1 Teelöffel Backpulver | Abrieb von 1 Zitrone

1 Esslöffel Kakaopulver | 2 Eigelb | 2 Teelöffel Zimt | 2 Teelöffel Nelkenpulver | 1 Prise Salz | 250 gram Himbeermarmelade

Weiter brauchen Sie: 1 Springform (26 Zentimer), Backpapier, Staubzucker

Zubereitungszeit: 15 Minuten + 8 Stunden Ruhezeit | Backzeit: 40-50 Minuten bei 170 Grad (150 Grad Umluft)

Zubereitung

Alles bis auf die Marmelade zu einem kohärenten Teig kneten. Teilen Sie den Teig in zwei Teile und rollen Sie einen Teil in der Größe der Springform aus. Rollen Sie den zweiten Teil aus, um später das Gitter über dem Kuchen zu machen. Wickeln Sie die Teigscheiben in Frischhaltefolie ein und lassen Sie sie 8 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank ruhen. Auf diese Weise löst sich der Zucker besser auf und die Gewürze werden besser absorbiert.

Am nächsten Tag legen Sie die Springform mit Backpapier aus und den maßgefertigten Teigboden hinein. Schneiden Sie dann von der zweiten Teigscheibe lange Streifen ab. Bedecken Sie den Rand der Kuchenform mit Teigstreifen. Bestreichen Sie den Boden mit der Marmelade und formen Sie aus den restlichen Teigstreifen einen schönen Gitter auf der Marmelade. Am besten lässt man den Kuchen eine Weile im Kühlschrank stehen, bis er eiskalt ist. Dann im vorgeheizten Ofen 40-50 Minuten backen. Nach Geschmack mit etwas Puderzucker bestreuen.

Tipp: Sie können diese Linzertorte mindestens drei Wochen an einem kühlen Ort aufbewahren. Wickeln Sie die gekühlte Torte in Aluminiumfolie, dann ziehen sich die Aromen noch besser ein.