Oasen in Salzburg

Text: Emely Nobis, Bild: Frits Roest

Barockes Stadtzentrum, Mozart, The Sound of Music, Festival… Salzburg hat das ganze Jahr über Hochsaison. Doch im hektischen Treiben gibt es viele Oasen zu entdecken. Manchmal sogar an den belebtesten Orten. Spaziergang durch Salzburg mit Führer Sandor Cheizoo.

Mönchsberg: Großartiges Wandern

Terrasse vor dem Museum der Moderne

Auf dem schönen Mönchsberg scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und der Lärm der Innenstadt verwandelt sich in eine Geräuschkulisse. Es ist der bevorzugte Rastplatz von Führer Sandor Cheizoo. „Sobald ich zwischen den Touren etwas Zeit habe, auch wenn es nur eine Stunde ist, gehe ich auf den Berg. Wenn man den ganzen Tag Menschen um sich herum hat, ist die Ruhe hier eine Wohltat”. Über eine Treppe beim Toscaninihof neben dem Festspielhaus steigen wir die rund sechzig Meter hinauf. Entlang der Stadtmauern und über enge Gassen und Waldwege mit altem Baumbestand spazieren wir an stattlichen Villen und intimen Höfen vorbei, immer wieder mit diesem wunderschönen Panoramablick auf die Berge oder die Türme und Kuppeln des barocken Stadtzentrums. Wir landen im Museum der Moderne, direkt am steilen Abgrund des Mönchsbergs, mit seiner strahlend weißen Marmorfassade und der markanten Glastreppe. Hier können Sie eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst besuchen oder einen Drink auf der Terrasse und die spektakuläre Aussicht genießen. Schließlich müssen Sie gar nichts tun: Der Mönchsbergaufzug bringt Sie im Handumdrehen zurück zum Anton-Neumayr-Platz im Tal. Natürlich: Sie hätten den Aufzug nehmen können, aber gibt es etwas Schöneres, als sich nach einer Anstrengung zu entspannen?

Museum der Moderne, Mönchsberg 32, museumdermoderne.at

Augustiner Bräu: Gemütliche Klosterkneipe

Stockhammersaal © Augustinerbräu, Robert Altendorfer

Im Tal angekommen, am Ufer der Salzach entlang, erreicht man bald das Augustiner Braü des Klosters Mülln. Ein Besuch in dieser schönsten und größten Kneipe der Stadt ist auch für Salzburger eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Im Gegensatz etwa zum lärmenden Treiben im überfüllten Münchner Hofbraühaus ist die Atmosphäre hier freundlich, eine lockere Mischung aus Einheimischen und Touristen. Durch den Haupteingang in der Augustinergasse gehen wir durch einen langen Korridor mit Essensständen nach hinten. Guide Sandor erklärt, wie es funktioniert. Zuerst kauft man an der Kasse Biermünzen, nimmt einen Krug aus dem Regal, spült ihn im Brunnen aus und stellt sich an den riesigen Holzfässern mit dem Märzenbier an. Wenn Sie an der Reihe sind, bestellen Sie einen halben Liter oder ein Maß (ein Liter), das Sie mit den Münzen bezahlen. Tipp von Sandor: Nehmen Sie den großen Literkrug, aber bestellen Sie nur einen halben Liter. In so einem halb gefüllten Krug bekommt man relativ mehr Bier und weniger Schaum: Deshalb. Mit dem Krug gehen Sie in die Hallen. Aber Vorsicht: Setzen Sie sich nicht einfach irgendwo hin. Viele Tische sind in den Händen von Stammgästen. Auf Schildern an den Wänden steht genau, wann sie reserviert sind und von wem. Im großen Biergarten geht es demokratischer zu. Unter den Kastanienbäumen können Sie überall dort sitzen, wo ein freier Platz vorhanden ist. Wenn Sie etwas essen möchten, können Sie es an den oben genannten Essensständen selbst kaufen. Sie haben eine große Auswahl an “Schmankerl” (Leckerbissen). Während Sie hinter Ihrem Krug sitzen und das Gemurmel um Sie herum genießen, erkennen Sie, dass Selbstbedienung ihre Vorteile hat. Über Ihr Bier können Sie so lange oder so kurz reden, wie Sie wollen. Warten Sie nicht auf einen Kellner, wenn Sie etwas essen, trinken oder bezahlen wollen. Und auch keine Kellner, die Sie hetzen. Das ist wirklich entspannend.

Augustiner Bräu, Lindhofstraße 7 (täglich geöffnet ab 15.00 Uhr), augustinerbier.at

Café Tomaselli: Über der Menge

Blick auf den Alten Markt

Stellen Sie sich vor: Die Sonne scheint, Sie sitzen unter einem grün-weiß gestreiften Sonnenschirm auf einem Balkon. Unten auf dem Platz sehen Sie Reiseführer mit Gruppen, Fiaker (Pferdekutschen) mit Familien und Paaren, trödelnde Touristen und eilige Salzburger… Und Sie bestellen noch einen ‘Einspänner’ (Espresso mit Schlagsahne) oder wählen einen Erdbeerkuchen vom Tablett voller Mehlspeisen, das Ihnen eine Dame in adretter Uniform vor die Nase hält…

Café Tomaselli

Nirgendwo in der Salzburger Altstadt finden Sie eine solche Ruhe und Stille wie auf dem Balkon von Tomaselli. Mit seiner traditionellen Einrichtung (Holzvertäfelung, Kronleuchter, Zeitungsständer) ist dieses Kaffeehaus von 1705 ohnehin ein Muss. Aber wenn das Wetter schön ist, ist es schade, drinnen zu sitzen. Stellen Sie sicher, dass Sie lange vor (oder nach) der geschäftigen Mittagszeit dort sind, nehmen Sie die Wendeltreppe in den ersten Stock und setzen Sie sich an einen Tisch am Rande des Balkons. Hier können Sie in aller Ruhe den Blick auf den alten Markt mit seinem Treiben, die Festung Hohensalzburg und den beeindruckenden Brunnen am Rezidenzplatz genießen.

Café Tomaselli, Alter Markt 9, tomaselli.at

Sebastiansfriedhof: Eingemauerter Rastplatz

Sebastiansfriedhof

Wenn Sie die Salzach vom Zentrum aus über die Staatsbrücke überqueren, gehen Sie in die Linzer Gasse. Fast am Ende dieser antiken Straße, die Teil der Fußgängerzone ist, liegt der ummauerte Sebastiansfriedhof, der einzige Campo Santo außerhalb Italiens. Eine Arkade verläuft entlang aller Mauern. Sie enthält Statuen, Gräber und Gedenktafeln von und für den Adel, die Kaufleute und Stadtverwalter vergangener Zeiten. Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (heimlich verheiratet und Vater von fünfzehn Kindern) errichtete den Friedhof zwischen 1595 und 1600 auf den Resten eines alten Pestfriedhofs aus dem 15. Jahrhundert. In der Mitte befindet sich das Mausoleum, das er für sich selbst bauen ließ: die Gabrielkapelle, innen schön mit bunten Mosaikfliesen verziert.

Führer Sandor Cheizoo

Sandor weiß, wo der Schlüssel zum Mausoleum ist, und darf uns das Innere zeigen. Leider ist es ohne einen Führer nicht zugänglich. Zu sehen ist auf dem Friedhof auch das Grab von Mozarts Frau Constanze, ihrem zweiten Ehemann Georg Nikolaus von Nissen und ihrer Tante Genovefa von Weber, der Mutter des Komponisten Carl Maria von Weber. Mozarts Vater Leopold liegt weiter hinten in einem Familiengrab in den Arkaden. Dass dieser schöne Erholungsort trotz seiner zentralen Lage nicht von Touristen überrannt wird, liegt daran, dass die dichten Außenmauern unauffällig sind und der Übergang vom Kirchplatz zum Friedhof nicht sofort ins Auge fällt.

Steingasse: Ruhige, enge Gasse

Steinertor

Gehen Sie zurück zum Anfang der Linzer Gasse und biegen Sie am Platzl in die mittelalterliche Steingasse ein. Sie sind wahrscheinlich einer der wenigen, denn diese 600 Meter lange, schmale Straße am Fuße des Kapuzinerbergs ist ein vergessener Stadtteil, eine kühle und charmante Oase, ohne störende Werbung. Die Häuser stehen hier so dicht am Berg, dass der raue Fels regelmäßig zwischen zwei Mauern hervorsteht. Im Mittelalter verlief die Hauptzufahrtsstraße zur Stadt über die Steingasse und täglich passierten schwere Salztransporte aus Hallein das Steintor. Handwerker wie Gerber und Töpfer hatten dort ihre Werkstätten. Ihre imposanten Häuser stehen noch immer dort. Damals standen sie direkt am Kai, denn die Salzach war viel breiter als heute. Die beste Zeit für einen Bummel durch die ruhige Gasse mit einigen Geschäften, Bars und Buchhandlungen ist am Ende des Morgens, wenn die Fassaden stimmungsvoll von der Sonne beleuchtet werden. Fast gleich zu Beginn bei Nummer 9 weist eine Gedenktafel auf das Geburtshaus von Joseph Mohr hin. Vor zweihundert Jahren, im Jahr 1816, schrieb er den Text des beliebtesten Weihnachtslieds der Welt: “Stille Nacht, heilige Nacht”.

Kapuzinerberg: Herrliches Panorama

Blick vom Kapuzinerberg auf Salzburg


Franziskustor

Die Linzer Gasse ist auch Ausgangspunkt für eine Wanderung auf den unberührten Kapuzinerberg, wo laut Sandor das schönste Panorama auf uns wartet. Über das Franziskustor (das Tor mit der Aufschrift “Zum Kapuzinerberg”) geht es steil bergauf. Dieser alte Pilgerweg mit teilweise in den Fels gehauenen Stufen ist buchstäblich ein Pfad der Besinnung. Wir kommen an elf Kapellen mit großen, farbenfrohen Statuen vorbei, die die Passionsgeschichte erzählen – und mit einer großen Christusstatue am Kreuz enden. Sie wurden zwischen 1736 und 1744 von Salzburger Künstlern geschaffen. Nach einem weiteren Tor (dem Felixtor) und einer Rechtskurve erreichen wir das Kapuzinerkloster von 1599. Direkt unterhalb dieses Klosters (es ist ein bisschen suchen, wie man dort hinkommt) liegt die Hettwer Bastei. Von dieser Befestigungsanlage blickt man auf das Zentrum Salzburgs mit den pastellfarbenen Häusern am Kai, den Dom, die Festung Hohensalzburg und das Kloster Nonnberg mit dem roten, zwiebelförmigen Turm. Und hinter dieser Kulisse den Mönchberg und weiter den Unterberg. Sandor hat nicht zuviel versprochen. Auf einer Bank sitzend kann man hier nach dem steilen Aufstieg verschnaufen und sich entspannen.

Hellbrunner Allee: Mit dem Fahrrad in den Park

Hellbrunner Allee

Wir überqueren wieder die Salzach. Im Bezirk Nonntal liegt der Ausgangspunkt der Hellbrunner Allee, einer 2,5 Kilometer langen, schnurgeraden Allee, die zum Schloss Hellbrunn führt. Wandern oder radeln Sie durch diese Oase der frischen Luft und Stille, vorbei an jahrhundertealten Eichen, Kastanien, Buchen und Pappeln. Genießen Sie die Aussicht auf stattliche Herrenhäuser und kleine Paläste. Bei der Ankunft im Schloss Hellbrunn können Sie, wie viele Salzburger, durch den öffentlich zugänglichen Park spazieren oder im Park picknicken.

Musikpavillon aus The Sound of Music

Frieden und Ruhe ist da nicht viel. Am Eingang ist es ein Kommen und Gehen von Bussen mit Touristen, die am Musikpavillon, der in den romantischen Szenen von The Sound of Music eine so wichtige Rolle spielt, ein Foto oder ein Selfie machen wollen. Sie stand zunächst im kleinen Garten des nahegelegenen Schlosses Leopoldskron (dessen Fassade im Film als Rückfassade der Von-Trapp-Villa verwendet wurde), der aber dem Touristenstrom nicht gewachsen war. Sandor erzählt, dass eine Salzburg-Tour ohne Sound of Music-Highlights für Amerikaner und Asiaten nicht vollständig ist: „Dann bekomme ich wirklich Beschwerden. Und das, obwohl die meisten Österreicher selbst den Film nicht mal kennen, nicht gesehen haben oder schrecklich kitschig finden”.

Wasserspiele Hellbrunn

Weiter im Park gibt es eine weitere Touristenattraktion: die Wasserspiele, einen Vergnügungspark aus dem 17. Jahrhundert mit Springbrunnen, Kaskaden und Statuen, die in unerwarteten Momenten Wasser spritzen. Es gibt auch ein schönes mechanisches Puppentheater, das eine Stadt aus dem 16. Jahrhundert zum Leben erweckt. Erzbischof Markus Sittikus ließ zwischen 1612 und 1619 Schloss und Vergnügungspark errichten, um sich und seine Gäste zu unterhalten. Seien Sie gewarnt, wenn der Führer fragt, wer auf einer der Bänke um den steinernen Esstisch sitzen möchte. Auf ein Zeichen des Bischofs hin konnte ein Diener einen kalten Wasserstrahl durch die Löcher in den Bänken spritzen lassen. Dieser Mechanismus ist, wie alle Attraktionen im Park, immer noch in vollem Einsatz.

Schloss Hellbrunn, Fürstenweg 37, hellbrunn.at

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