Wolford

Strickwaren für Bein und Körper

Text: Emely Nobis, Bild: Frits Roest

Wie ein Hersteller von Nylonstrumpfhosen und -socken zum Marktführer im Bereich der Luxus-Beinbekleidung und Bodyware wurde.

Modelle © Wolford

Wer hat sie gegründet?

Von links nach rechts: August Rammer, Hans Wolff, Walter M. Palmers, Johann Wolff, Hans Joachim Palmers, Reinhold Wolff, Julius Wolff, Erich Fleisch. © Wolford

1950 begannen Reinhold Wolff und Walter Palmers in Bregenz mit der Produktion von Nylonstrümpfen und Strumpfhosen. Der Markenname Wolford ist eine Kurzform von Wolff und Oxford, der Stadt, in der sie zusammen studiert hatten. Das Unternehmen stellt nun auch Bodys, Dessous und andere Kleidungsstücke aus luxuriösen Materialien wie Merinowolle, Kaschmir, Spitze und Seide her. Fast alles wird in Bregenz entwickelt und hergestellt. Lediglich die Endverarbeitung mit der Nähmaschine (wie das Säumen von Hals-, Bein- und Zehennähten) wird in einem zweiten Produktionsunternehmen in Slowenien gemacht. Wolford ist seit 1998 mit einer Mehrheitsbeteiligung des chinesischen Investors Fosun Holdings Limited an der Börse notiert. Enkelkinder des Gründers Wolff besitzen zwar noch Aktien, sind aber nicht mehr aktiv am Unternehmen beteiligt.

Wann hat die Erweiterung begonnen?

Empfangshalle

1964 begann der Export, zunächst nach Großbritannien. Ende der 1980er Jahre ging bereits drei Viertel aller Produkte ins Ausland. Im Moment sind Russland und China die wichtigsten Wachstumsmärkte. Wolford konnte den internationalen Markt erobern, indem es auf Innovation und Design achtete. So wurde beispielsweise 1992 die erste nahtlose Bekleidung auf den Markt gebracht und 2014 Strumpfhosen mit unsichtbaren, geklebten Nähten. Die Designabteilung ist 55 Männer und Frauen stark und arbeitet regelmäßig mit prominenten Designern zusammen, in der Vergangenheit zum Beispiel mit Karl Lagerfeld, Vivian Westwood und Phillipe Starck. Gut für die Markenbekanntheit, natürlich.

Was ist damit verbunden?

Färberei

Ein Rundgang durch die Produktionsabteilung in Bregenz beginnt in der Stickerei, wo etwa vierhundert (Rund-)Strickmaschinen an der Arbeit sind, um verschiedene Bodys, Strumpfhosen oder andere Kleidungsstücke herzustellen. Diese Maschinen werden in den Vereinigten Staaten oder Japan gekauft und dann vollständig demontiert und nach ihren eigenen Spezifikationen wieder zusammengebaut. Die Techniker, die dazu in der Lage sind, schult das Unternehmen intern ein, denn für jede neue Art von Kleidungsstücken müssen die Maschinen erneut modifiziert werden. Das ‘Stricken’ selbst läuft wie folgt ab. Eine Strickmaschine besteht aus einem Zylinder, der etwa 120 bis 1200 Nadeln unterschiedlicher Stärke enthält, die individuell gesteuert werden können. Einfach gesagt, die Stärke und die Bewegung der Nadeln bestimmen die Anzahl der Denier der Strumpfhose und das Muster. Das Garn geht oberhalb des Zylinders hinein und das Kleidungsstück kommt unten heraus. Bei Strumpfhosen dauert dies – je nach Muster – zwei bis zwanzig Minuten. Für ein Body ist natürlich mehr Zeit erforderlich als für eine einfache Strumpfhose. Das scheint ziemlich schnell zu gehen, aber damit ist noch lang nicht alles getan.

Qualitätskontrolle

Alles hat nun eine Grundform und geht in die Dämpferei zur Wasserdampfbehandlung. Dadurch werden nicht nur Fadenreste entfernt. Alles, was aus der Strickmaschine kommt, ist gleich gerade und lang; durch kürzere oder längere Behandlung mit Wasserdampf schrumpft der Stoff auf die gewünschte Größe. Auch erhalten die Rohlinge erst jetzt die gewünschte Körperform, indem sie auf einer Schaufensterpuppe in das Dampfbad geschoben werden. Was zuerst wie eine Wurst aussah, nimmt hier weibliche Formen an. Aber noch ist es nicht fertig. Alles, was aus den Strickmaschinen kommt, ist entweder schwarz oder weiß. Erst nach der Wasserdampfbehandlung wird weiße Kleidung in jeder beliebigen Farbe in großen Waschtrommeln oder in der Jet-Maschine gefärbt, die langgestreckte Stoffe (wie Kleider oder Schals) in einer Art Förderbandverfahren durch eine Schleuse mit Farbbad zieht. Strumpfhosen und Strümpfe werden in der Formerei nach dem Färben und Trocknen einer zusätzlichen Behandlung unterzogen. Hier werden sie manuell über eine Aluminium-Beinschablone (für die richtige Schuhgröße mehr oder weniger straff) gezogen und erneut einige Minuten lang in einem Wasserdampfofen erhitzt. Dadurch wird sichergestellt, dass das Endprodukt den Kurven des Beines folgt und nicht leicht heruntergleitet.

Warum (keine) Laufmaschen?

Überziehen über die Beinschablonen

Wer die Männer und Frauen der Formerei Strumpfhosen über die Beinschablonen gleiten sieht, wird angst und bang. Wolford behauptet, dass die Qualität seiner Beinbekleidung so gut ist, dass sie nicht so leicht “Maschen” reißt, vorausgesetzt, man zieht sie richtig an. Die Mitarbeiter dieser Abteilung müssen daher über gepflegte Nägel und Hände verfügen, damit sie nirgendwo hängen bleiben. Leider ist die Zeit, als das Unternehmen eine eigene Maniküre hatte, vorbei. Im Kampf gegen rauhe Hände gibt es überall Spender mit Handcreme. Übrigens beschäftigte Wolford früher Damen, die kostenlos Laufmaschen in Strumpfhosen von Kunden reparierten, aber das ist in unserer Wegwerfgesellschaft nicht mehr gefragt. Das finden sie bei Wolford schade, denn das Unternehmen will zur Nachhaltigkeit beitragen. So stammt beispielsweise das gesamte zum Waschen und Färben verwendete Wasser aus einer eigenen Quelle und wird nach der Filterung weitgehend wiederverwendet. Alle Farben werden im firmeneigenen Chemielabor auf der Basis natürlicher Rohstoffe entwickelt. Wolford ist auch Partner von Bluesign, einem Nachhaltigkeitslabel für Bekleidung und Textilien und hat die erste Kollektion biologisch abbaubarer Cradle-to-Cradle-Wäsche auf den Markt gebracht.

Wo kann man es kaufen?

Am Hauptsitz in Bregenz befinden sich ein Outlet-Store und der Flagshipstore. Die Kollektionen werden online und in sechzig Ländern in eigenen Geschäften oder bei Vertriebspartnern zum Verkauf angeboten. wolford.com; wolfordshop.de

Arie van Hoorne© FREN Media
Blaudruckerei Koó, Joseph & Miriam© FREN Media
©anja koehler | andereart.de
© Stekovics